Gefährdungen

Hochwasser (Quelle: R+V Allgemeine Versicherung AG)

Nach starken Regenfällen können die Wassermengen in kleinen Gewässern in sehr kurzer Zeit um ein Vielfaches ansteigen. Das Bachbett ist zu klein und es kommt zu Überschwemmungen. Der Zeitraum zwischen der Entstehung und dem Eintreffen eines Hochwassers, die sogenannte Vorwarnzeit, ist in der Regel sehr kurz.

Bei großen Flüssen haben langandauernde Niederschläge und Schneeschmelze einen starken Einfluss auf das Hochwassergeschehen. Hier steigen die Wasserstände meist langsamer an und die Vorwarnzeiten sind erheblich länger als bei kleinen Gewässern.

Wohnlage in überschwemmungsgefährdeten Gebieten

Häufig kommen Deiche, Hochwasserschutzmauern, Hochwasserrückhaltebecken oder mobile Systeme als Hochwasserschutzeinrichtung zum Einsatz. Trotz ihrer Schutzwirkung, besteht Gefahr für die Bewohner hinter solchen Schutzeinrichtungen. Aus diesem Grund werden diese Bereiche häufig als „Überschwemmungsgefährdetes Gebiet“ gekennzeichnet. Gebiete hinter einer Hochwasserschutzeinrichtung oder unterhalb von Hochwasserrückhaltebecken können trotz der Schutzeinrichtungen überflutet werden, wie die folgenden Beispiele zeigen.


Eine Gefährdung besteht Beispielsweise, wenn sogenanntes Qualmwasser austritt. Dies bezeichnet Wasser, welches unter dem Deich oder der Schutzmauer durchsickert und auf der anderen Seite (Luftseite) wieder an die Oberfläche tritt. Qualwasseraustritte findet man häufig bei langandauerndem Hochwasser, wenn der Wasserstand im Fluss über einen längeren Zeitraum hoch ist

Alle Hochwasserschutzeinrichtungen sind nur bis zu einem bestimmten Wasserstand ausgelegt, dem sogenannten Bemessungswasserstand. Bei höheren Wasserständen läuft der Deich oder die Schutzmauer über und es kommt zur Überflutung des dahinter liegenden Geländes.

Hochwasserschutzdeiche können nach langandauerndem Hochwasser durchweichen. Dabei werden kleinste Bodenkörner aus dem Inneren der Deiche heraus gespült. Die Deiche verlieren dadurch an Stabilität und können brechen. Auch andere Hochwasserschutzeinrichtungen können versagen. In solchen Fall kann das Gelände in kürzester Zeit überflutet werden.
Auch wenn man großes Vertrauen in Hochwasserschutzeinrichtungen haben sollte, einen absoluter Schutz ist niemals gegeben.

Hochwasserschutzeinrichtungen sind auf sogenannte Hochwasserjährlichkeiten ausgelegt. Ein Hochwasser mit einer Jährlichkeit von 100 Jahren (HQ100), der Volksmund spricht dann auch vom Jahrhunderthochwasser, bezeichnet den Abfluss in einem Gewässer, der statistisch einmal in hundert Jahren erreicht wird. Doch Vorsicht: Da die Jährlichkeit ein statistischer Wert ist, kann dieser Abfluss auch mehrfach innerhalb von hundert Jahren auftreten.

Die Jährlichkeit, auf die Ihre Hochwasserschutzeinrichtung ausgelegt ist, können Sie bei Ihrem örtlichen Bauamt oder beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt erfragen.

Verklausung

Verklausung einer Brücke (Quelle: R+V Allgemeine Versicherung AG)

Gewässerengstellen wie zum Beispiel Brücken oder Durchlässe setzten sich häufig mit Treibgut zu, sodass kaum bzw. zum Teil gar kein Wasser mehr abfließen kann. Es kommt zur sogenannten Verklausung. Diese Gefahr besteht vor allem bei Hochwasser, da durch die großen Wassermengen und die hohen Fließgeschwindigkeiten besonders viel Schwemmgut mitgerissen wird. Die Folgen einer Verklausung sind Überschwemmungen und Ausuferungen oberhalb der Verklausung.

Achten Sie daher auf Brücken oder Durchlässe an Gewässern in Ihrem Wohnumfeld. Die in den Karten dargestellten Überschwemmungsgebiete können im Fall einer Verklausung der Brücken oder Durchlässe größer als dargestellt ausfallen.

Gefährdung der Standsicherheit

Die Standsicherheit von Gebäuden in unmittelbarer Nähe zu einem Fluss oder Bach kann bei falscher Bauausführung gefährdet sein. In ungünstigen Fällen können die Fundamente des Gebäudes unterspült werden. Derart hervorgerufene Bewegungen der Fundamente können erhebliche Gebäudeschäden verursachen.

Gefährdung der Standsicherheit durch Unterspülung

Das Foto zeigt ein Gebäude, bei dem die Unterspülung der Fundamente durch den Bach gerade beginnt. Das Gewässer strömt in diesem Fall direkt auf das Fundament des Gebäudes zu. Durch die hohe Fließgeschwindigkeit in diesem Bereich wird das Fundament immer weiter unterspült.

Je länger das Hochwasser anhält, umso mehr wird der Boden unter dem Fundament abgetragen. Wenn genügend Material herausgewaschen wurde, wird das Gebäude an diesen Stellen absacken.
Auch durch Treibgut können Schäden am Gebäude entstehen. Dabei muss nicht nur die dem Gewässer zugewandte Gebäudeseite betroffen sein, auch an den Seitenwänden kann das Gebäude geschädigt werden.